Sibylle Hamann - Meine Reise zurück zu den Grünen.

Wer singt, der wird gehört

Station 4: Wien, Oktober 2010

Singen ist so einfach. Luft holen, und der Stimme Raum geben. Den Ton, die Vibration im Körper spüren, und bloß nicht zu viel nachdenken dabei. Jeder Mensch kann singen, und tut es auch – als Baby, als Kleinkind, eventuell sogar noch als Jugendliche in der grölenden Menge. Doch viel zu viele Erwachsene bei uns haben es sich abgewöhnt. Man empfindet es als peinlich, dem eigenen Klang zu lauschen. Fühlt sich ertappt, wenn einem jemand in der Dusche zuhört. Hat Angst, nicht den richtigen Ton zu treffen, Fehler zu machen. Wie schade.

Jeder Mensch kann singen, und tut es auch

In wahrscheinlich allen Gesellschaften, die die Menschheit je hervorgebracht hat, gehörte Singen zu den allerersten Kulturtechniken. Es vertrieb nicht nur die Zeit – bei der Feldarbeit, beim Rudern, beim Getreidemahlen, beim Kinderhüten – sondern es stiftete auch Gemeinschaft. Singend speichert man kollektive Erinnerungen ab, besiegelt Hochzeiten, begräbt Tote. Singen kann einschläfern und aufwecken, trösten und in Ekstase versetzen. Wer eine vertraute Melodie erkennt, fühlt sich auf Anhieb zu Hause. Was für eine tolle Erfindung!

Kein Wunder, dass eines der großartigsten Integrationsprojekte, das es derzeit in Österreich gibt, mit Singen zu tun hat. „Superar“ heißt es, ist eine gemeinsame Erfindung von Konzerthaus, Sängerknaben und Caritas, und ich durfte es von Anfang an mit großer Freude begleiten. Profi-Musiker gehen dabei in jene Schulen, wo die Kinder es am schwersten haben, und singen mit ihnen - täglich. „Bruder Jakob“ in slowenisch, serbisch und ungarisch. „Ein Vogel wollte Hochzeit halten“ mit Rap-Einlagen. Oder „Amazing Grace“: „I was blind and now I see“ hat Ahmet, im blitzblauen Trainigsanzug, soeben solo gesungen, vor einem vollen Turnsaal. Seine Stimme war fest und klar, und er schaut stolz in die Runde, als er sich zurück auf die Bank setzt.

Ein Kinderchor auf der Bühne. Vorne stehen Kinder im Alter zwischen 4 und 8 Jahren in T-Shirts. In der zweiten Reihe stehen Wiener Sängerknaben in ihrer marine-blauen Uniform.

Singend können Wunder passieren. Ich habe die achtjährige M. kennengelernt, ein gehemmtes Mädchen, das früher so leise sprach, dass sie kaum ein verständliches Wort herausbrachte. Beim Singen entdeckte sie plötzlich ihre Stimme, fasste Selbstvertrauen. Oder D., ein hyperaktiver Rabauke, der früher gern die Klasse zerlegte: das Singen schenkte ihm eine neue Möglichkeit, Aufmerksamkeit zu bekommen. Kinder, die sich schwertun, Worte zu finden, finden Töne. Zappelkinder, die sich in ihrem Körper unwohl fühlen, lernen zu atmen, aufrecht zu stehen, und sich zu erden. Einzelkämpfer und Außenseiter erfahren, wie schön es sein kann, gemeinsam einen Rhythmus zu finden. Kinder, denen sonst nie jemand zuhört, stehen plötzlich im Mittelpunkt, alle Augen auf sie gerichtet.

Die Kinder von „Superar“ treten regelmäßig im Konzerthaus auf, dem prachtvollsten Saal der Musikstadt Wien. Im Zuschauerraum: Ihre Eltern. Scheu die einen, herausgeputzt die anderen, manche noch in der Uniform der Supermarktkette, wo sie eben noch Spätschicht hatten. Die meisten dieser Menschen sind zum ersten Mal in ihrem Leben hier. Aber jetzt steht ihr Kind auf der großen Bühne, und sie haben Grund, stolz zu sein. In diesem Moment passiert gesellschaftliche Integration. Schauen Sie sich das an!

In diesem Moment passiert gesellschaftliche Integration.

Man kann gar nicht genug singen, finde ich. Ich singe selbst im Chor, Altstimme, Kirchenmusik, und kann mir ein Leben ohne Singen gar nicht mehr vorstellen. Man ist dabei entspannt und konzentriert gleichzeitig. Man ist ganz bei sich, und geht gleichzeitig in der Gruppe auf.

Beim Singen bringt es nichts, schneller sein als die anderen, lauter zu sein, oder seine Ellbogen einzusetzen. Aber wenn man aufeinander hört, staunt man, was man alles zusammenbringt.

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Blonde Grün-Aktivistin überreicht lächelnd einen Wahlkampf-Flyer an Passantin. Der Wind weht ihr durch die Haare. Sie sind draußen. Der verschwommene Hintergrund lässt nicht genau auf den Ort schließen. Das Foto vermittelt Freundlichkeit und Offenheit im Umgang mit Menschen.
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