Sibylle Hamann - Meine Reise zurück zu den Grünen.

Wenn Millionen Menschen Rad fahren

Station 7: Beijing, Mai 1988.

Von der Universität Beijing Daxie, kurz Beida genannt, führt ein schnurgerader, breiter Boulevard ins Zentrum von Peking. 1988, als ich dort eine Zeitlang studierte, fuhr kein einziges Auto.
In der Mitte des Boulevards blieben stets zwei leere Fahrspuren für Parteifunktionärsautos reserviert.

Alle Räder waren schwarz, schwer, fast identisch.

Alles andere war voll mit: Fahrrädern, Fahrrädern, Fahrrädern, abertausenden davon, einer gewaltigen Ameisenstraße gleich. Alle Räder waren schwarz, schwer, fast identisch. Auf ihnen strampelten Menschen, viele noch in einheitliche blaue Mao-Anzüge gekleidet, stoisch stadteinwärts, stadtauswärts.

Die größte Herausforderung war: Das eigene Rad schließlich auf den unendlichen Abstellhalden wiederzufinden.

Ich band zur Markierung ein buntes Bändchen drauf – es war dennoch schwierig genug.

Im chinesischen Kommunismus symbolisierte das Fahrrad Uniformität und Gleichschaltung. Gleichzeitig war es die billigste, robusteste und berechenbarste Art der Fortbewegung, unabhängig von Engpässen in der Energieversorgung. Man lebte schließlich in einer Mangelwirtschaft.

Auf den Straßen lagen riesige Haufen Kohlenstaub, die die Menschen zum Heizen in ihre Wohnungen schaufelten. Nach einem Tag auf der Straße wusch man sich abends die schwarze Brühe aus den Haaren. Man wohnte ebenerdig, in Hutongs, mit Gemeinschaftsklos im Freien, und stellte, weil es in den Wohnungen so eng war, die Hocker zum Mah-Jong-Spielen vor die Tür. Über allem hing permanent eine gebliche Glocke aus Smog.

Heute ist China ein völlig anderes Land. Wie im Schnelldurchlauf hat es Entwicklungen nachgeholt, die bei uns viele Jahrzehnte gedauert haben. Es gibt Wolkenkratzer, mehrstöckige Stadtautobahnen, Massenkonsum, Huawei und Handies. Bauen, stauen, kaufen, wegschmeißen heißt die Devise. Auf den Boulevards, zwischen den verkeilten Autos, hat kaum mehr ein Fahrrad Platz. Fast alle Hutongs sind längst abgerissen.

Bloß zwei Dinge haben sich erstaunlich gut gehalten: Erstens der Überwachungsstaat, der sich von einem rostigen kommunistischen in einen hochtechnisierten kapitalistischen verwandelt hat.

Und zweitens: der gelbliche Smog, der über der Stadt hängt wie eh und je. Es gibt Tage, an denen man die Häuser auf der anderen Straßenseite nicht mehr sieht. Man ist nicht länger im Freien als notwendig. Sport gibt es nur in der Halle. Kinder spielen nicht mehr draußen. Eliteschulen werben mit ihren tollen Luftfiltern – und dem Versprechen, dass die Schüler garantiert den ganzen Tag das Gebäude nicht verlassen.

Freiheit hatte man sich irgendwie anders vorgestellt.

Solange Bauen, Stauen, Kaufen, Wegschmeißen den Reiz den Neuen hat, akzeptiert man das alles vielleicht noch als unvermeidliche Begleiterscheinung des Fortschritts  - das war bei uns in den Sechzigerjahren nicht anders.

Doch China scheint, mit seiner gewaltigen Größe, noch schneller als andere Länder auf den Punkt zuzusteuern, an dem alles kippt. Wo die Lebensqualität – auch jene der reichen Leute – nicht mehr steigt, sondern sinkt. Internationale Unternehmen tun sich immer schwerer, ausländische Fachkräfte samt Familien ins Land zu locken, obwohl sie ihnen horrende Gehälter bieten. In den Dörfern und Städten sind Umweltkonflikte der häufigste Auslöser für Revolten gegen die Obrigkeit.

Wenn die chinesischen Kommunisten schlau sind, werden sie ihre diktatorische Allmacht nützen, um dem Land eine radikale ökologische Wende zu verordnen. Womöglich befehlen sie ihren Untertanen dann auch, wieder aufs Rad zu steigen. Man verlernt das ja nicht, angeblich.

Aber was machen dann wir?

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Blonde Grün-Aktivistin überreicht lächelnd einen Wahlkampf-Flyer an Passantin. Der Wind weht ihr durch die Haare. Sie sind draußen. Der verschwommene Hintergrund lässt nicht genau auf den Ort schließen. Das Foto vermittelt Freundlichkeit und Offenheit im Umgang mit Menschen.
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