Sibylle Hamann - Meine Reise zurück zu den Grünen.

Gut, dass du hier bist, Fatima!

Station 14: Wien, Oktober 2015

Fatima trat im Oktober 2015 in mein Leben, am Höhepunkt der Flüchtlingskrise. Unsere Kinder gingen gemeinsam zur Schule. Seither sind wir Freundinnen. Es ist seltsam, mit einem Menschen befreundet zu sein, der in vielen Dingen ganz anders ist als man selbst. Fatima meint, dass Männer und Frauen von Natur aus verschieden sind, ich bin Feministin. Fatima ist Technikerin, ich habe von Technik keine Ahnung. Fatima glaubt an Gott, ich nicht. Vielleicht jedoch ist es genau deswegen für mich so lehrreich, mit ihr zusammen zu sein.

Es lehrreich für mich, mit ihr zusammen zu sein.

Was wir in diesen vier Jahren miteinander erlebt haben, haben – so oder so ähnlich – hunderttausende andere Menschen in Österreich ebenfalls durchgemacht. Wir haben bei den Asylinterviews gezittert und gemeinsam gebangt. Wir wissen, wie es sich anfühlt, jeden Tag mit klopfendem Herzen das Postkastl aufzuschließen, um zu schauen, ob der Bescheid schon da ist. Wir haben ein paar arabische Redewendungen gelernt, und mit Schrecken gemerkt, wie schwierig es ist, anderen die deutsche Grammatik zu erklären. Wir haben über Wohnungsinseraten gebrütet und sind an den vielen Ablehnungen von Maklern und Vermietern verzweifelt. Wir haben Küchenutensilien und Sofas geschleppt, und waren froh, dass die Bettwäsche von der Oma noch Abnehmer fand. Wir waren so häufig zum Essen eingeladen, dass wir mittlerweile alle arabischen Gerichte kennen. Wir waren an Orten, an die wir bisher womöglich noch nie angestreift sind: AMS, Sozialamt, Sozialmärkte, Kleiderausgabestellen, Brennpunktschulen, Ambulanzen für Unversicherte.

Wir haben gelernt, wie es sich anfühlt, auf der Straße Schlange zu stehen. Wir wissen, wie sich böse Blicke anfühlen, auf der Straße, in der U-Bahn, weil unsere Freundin vielleicht ein Kopftuch trägt, oder ihre Kinder ein bisschen laut sind. Wir haben getröstet und gelacht, diskutiert und ermuntert. Wir haben uns mit ungewohnten Fragen herumschlagen müssen: Wie zeigt man Dankbarkeit? Was zieht man an, wenn man ins Schwimmbad geht? Wir haben gestritten, uns geärgert und vielleicht manchmal geweint. Doch dann gab es bestandene Deutschprüfungen, schöne Zeugnisse der Kinder, einen Führerschein, vielleicht sogar ein erfolgreiches Jobinterview, und dann haben wir wieder gewusst: Es steht alles dafür.

Ich glaube, ich spreche nicht für mich allein, wenn ich sage: Wir sind an dieser Aufgabe gewachsen. Wir wollen die neuen Erfahrungen nicht missen, die wir gemacht haben. Zwar wünscht sich niemand eine Flüchtlingskrise herbei. Doch rückblickend möchte man den Menschen, die diese Krise zufällig zu uns geführt hat, sagen: Gut, dass ihr da seid. Bitte bleibt.

Gut, dass ihr da seid. Bitte bleibt.

Nein, die Integration von hunderttausend Flüchtlingen ist kein Kinderspiel. Sie geht nicht von allein. Sehr viele Menschen müssen mit anpacken, damit das Zusammenwachsen gelingt. Es braucht Nachbarn, die ihre Scheu überwinden. Es braucht Lehrerinnen, die sich zusätzliche Arbeit machen. Es braucht Kinder, die sich für die Neuen in der Klasse interessieren. Es braucht Wohnungsbesitzer, bereit sind, an Flüchtlinge zu vermieten, und Arbeitgeber, die bereit sind, ihnen eine Chance zu geben. Aber zigtausende Menschen in ganz Österreich haben in den vergangenen vier Jahren genau das getan. Sie haben Patenkinder aufgenommen und Lehrlinge eingestellt. Sie haben Jugendliche in den Fußballverein aufgenommen und mit ihnen deutsch geübt.

Sie haben angepackt. Und ich finde: Die Politik sollte solchen Menschen keine Knüppel zwischen die Beine werfen, sondern sich freuen, dass es sie gibt.

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Blonde Grün-Aktivistin überreicht lächelnd einen Wahlkampf-Flyer an Passantin. Der Wind weht ihr durch die Haare. Sie sind draußen. Der verschwommene Hintergrund lässt nicht genau auf den Ort schließen. Das Foto vermittelt Freundlichkeit und Offenheit im Umgang mit Menschen.
Blonde Grün-Aktivistin überreicht lächelnd einen Wahlkampf-Flyer an Passantin. Der Wind weht ihr durch die Haare. Sie sind draußen. Der verschwommene Hintergrund lässt nicht genau auf den Ort schließen. Das Foto vermittelt Freundlichkeit und Offenheit im Umgang mit Menschen.
Blonde Grün-Aktivistin überreicht lächelnd einen Wahlkampf-Flyer an Passantin. Der Wind weht ihr durch die Haare. Sie sind draußen. Der verschwommene Hintergrund lässt nicht genau auf den Ort schließen. Das Foto vermittelt Freundlichkeit und Offenheit im Umgang mit Menschen.