Sibylle Hamann - Meine Reise zurück zu den Grünen.

Die Aubesetzung

Station 1: Stopfenreuth an der Donau, Dezember 1984.

Ich war 18 Jahre alt, ein verklemmter Teenager. Es war kalt. Es war nass.

Ich besaß kein schickes, multifunktionales Outdoor-Equipment - gab es sowas damals überhaupt schon? –, sondern bloß eine kratzige Wollhaube, eine dünne lilafarbene Steppjacke, ausgelatschte Clarks mit Kreppsohle, und einen Billigschlafsack von Eduscho, der die Feuchtigkeit eher aufsaugte als abwies. Ich hatte ein bisschen Angst. Ich war keine Pfadfinderin. Ich konnte weder mit einem Kompass umgehen, noch konnte ich richtig Feuer machen. Es würde Dutzende Möglichkeiten geben, mich schon beim Zeltaufstellen zu blamieren.

Trotzdem stieg ich damals in die Schnellbahn, fuhr nach Hainburg und stapfte über die große Donaubrücke hinüber nach Stopfenreuth. Das muss jetzt sein, dachte ich.

Das muss jetzt sein, dachte ich.

Vielen Menschen in Österreich muss in jenem Herbst ähnliches durch den Kopf gegangen sein. Es waren ja noch fortschrittsfrohe Zeiten damals. Man glaubte ungebrochen an Wachstum und Wohlstand, Energie und Beton.

Die Bau-Holz-Arbeiter standen, unterstützt von ihrer Gewerkschaft, schon bereit, die Bäume in den Donauauen umzuschneiden. Die Parlamentsparteien waren sich einig.

Die Behörden hatten ihr Okay gegeben und Bewilligungsbescheide für den Kraftwerksbau ausgestellt.

 

Aber war da nicht noch was? Natur, Frösche, Wildnis?

Genau wussten wir Teenager nicht, was uns damals antrieb. Da war nur eine vage Ahnung, es könnte uns später einmal leidtun, wenn etwas Unwiderbringliches kaputtgemacht würde.

Und so schälten wir uns also frühmorgens aus unseren klammen Schlafsäcken. Tranken Kakao aus Bechern, in denen noch die Nudeln vom Vortag schwammen. Kletterten durchs Gestrüpp auf unseren Patrouillengängen von Lager zu Lager (wie sonst hätten wir ohne Handies kommunizieren können?). Bauten Schwitzhütten aus Plastikplanen und heißen Steinen. Lauschten den Geräuschen des Waldes, die uns Stadtkindern ein bisschen unheimlich waren.

Unterbrochen von Momenten der Panik, wenn plötzlich etwas passierte.

Die Polizei hat Lager 1 eingekesselt! Ein Bagger schiebt unsere Barrikaden weg! Menschenketten, Hektik, ein kurzes Aufheulen der Kettensägen, Angst, Schlagstöcke.

Ich erinnere mich jedoch auch an den Bauern, der mit seinem Traktor Strohballen brachte, zum Drauflegen, damit wir nicht so kalt schlafen mussten.
An wildfremde Damen in Pelzmänteln, die aus Wien anreisten, um uns Schals und selbstgebackenen Kuchen zu bringen.
An schüchterne Gendarmeriebeamte, kaum älter als wir, denen anzumerken war, dass sie eigentlich lieber bei uns am Lagerfeuer säßen als ihre Pflicht zu tun.

Nicht nur in meine Biographie, sondern auch in die Geschichte des Landes hat sich die Erfahrung eingeschrieben, dass sich der Verlauf von Ereignissen ändern lässt. Dass sich unterschiedlichste Menschen für die richtige Sache zusammenfinden können. Und dass man gewinnen kann.

Gäbe es die Grünen ohne Hainburg? Wahrscheinlich schon, aber vielleicht ein bisschen später.

Wie wäre ich ohne Hainburg? Wahrscheinlich dieselbe, aber ein bisschen anders.

Gäbe es die Grünen ohne Hainburg? Wahrscheinlich schon, aber vielleicht ein bisschen später.

Wenn ich heute mit der Schnellbahn die Donau entlangfahre, sehe ich die Au, grün und wild. Ich erinnere mich: Das Lager vier, gleich beim Damm. Das Lager zwei mit den großen Tipis.

Ich denke mir: Man sollte dort wieder einmal spazieren gehen, am besten den Treppelweg entlang. Vielleicht hört man die Frösche. Und dann bin ich ein kleines bisschen stolz.

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Blonde Grün-Aktivistin überreicht lächelnd einen Wahlkampf-Flyer an Passantin. Der Wind weht ihr durch die Haare. Sie sind draußen. Der verschwommene Hintergrund lässt nicht genau auf den Ort schließen. Das Foto vermittelt Freundlichkeit und Offenheit im Umgang mit Menschen.
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